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Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde
zu Liebfrauen

Domplatz 46
38820 Halberstadt

Telefon: 03941 24210
Telefax: 03941 570403
  Konservierung der Chorschranken

 
Die Liebfrauenkirche in Halberstadt ist eine dreischiffige Basilika romanischen Ursprungs mit vier Türmen und 3 Apsiden als Ostabschluss.

Im Inneren befindet sich ein Schatz:
Die Chorschranken und ihre fast lebensgroßen Figuren sind eines der wenigen erhaltenen Beispiele monumentaler Stuckplastik des Hochmittelalters nördlich der Alpen. Die Chorschranken wurden um 1200 geschaffen und zeigen auf der Nordseite die zentrale Christusfigur, mit den Aposteln Matthias, Bartholomäus und Petrus zur Linken und Andreas, Matthäus und Thomas zur Rechten. Auf der Südseite als zentrale Figur Maria, mit den Aposteln Jakob d. J., Philippus und Jakob d. Ä. zur Linken und Johannes, Simon und Judas zur Rechten.
Die Figuren sind individuell gestaltet, und vor allem Maria ist ganz besonders sorgfältig von ihren mittelalterlichen Schöpfern geformt. Ihre langen, gleichmäßig geflochtenen Zöpfe reichen bis zu den Ellbogen, das Gesicht ist mit tiefroten Lippen, schmalen Augenbrauen und einem feinen Wangenrot gefasst.

Matthäus Nordseite.
Links: Vorzustand. Schadensbilder: Verbräunung, Fleckenbildung, Glanzstellen durch gealterte
Konservierungsmaterialien der letzten Jahrzehnte.
Rechts: Endzustand nach Abnahme der Auflagerungen und Neutralretusche


Diese Hochreliefs sind akut gefährdet:
Es zeigen sich Rissbildungen im Stuck und Bildung von Hohlstellen sowie Schichtentrennung einzelner Stucklagen untereinander. Teile der Figuren lösen sich von ihrem Untergrund. Die Bemalung vergilbt und versprödet, und Malschichten platzen ab.
Um die Schäden zu beheben und fortschreitende Schäden zu verhindern, werden die Figuren seit 2 Jahren gereinigt, gesichert und gefestigt; eine aufwändige restauratorische Arbeit, die fast unter OP-Bedingungen stattfindet.

Drei Figuren – Thomas, Matthäus und Andreas – konnten bereits gerettet werden. Dann waren die finanziellen Mittel erschöpft, Fördermittel wurden knapp und blieben aus.
Der Kirchbauverein der Liebfrauenkirche hatte Spenden gesammelt, um die desolate Westfassade der Kirche zu sanieren (dort wachsen bereits junge Birken aus den ausgebröckelten Fugen des Sandsteinmauerwerks). Diese Spenden, 25.000,- Euro, wurden in diesem Jahr nun nicht für die Fassade, sondern für die Chorschranken eingesetzt, um die Weiterarbeit an dem Figurenzyklus zu sichern.
So konnte in diesem Jahr mit der Sicherung der Figuren Christus und Petrus begonnen werden. Die Christusfigur verlangt dem Restaurator besonders viel Mühe und Geduld ab: vor dieser Figur hat jahrhundertelang ein Altar gestanden, auf dem viele Kerzen zum Gebet angezündet wurden. Dadurch waren die Oberflächen mit Kerzenruß durchsetzt.

Die Verschmutzungen konnten abgetragen und die Oberflächen konnten gefestigt werden; aber die Endfassung der Christusfigur steht noch aus.
Auch Maria und die restlichen sieben Apostel warten auf ihre Rettung, die ohne Spenden und ohne Fördermittel nicht möglich ist.

Uschi Hülsdell
betreuendes Architekturbüro Hülsdell & Halleger